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Am 10. November 2007 fand die zweite Austragung der Ironman 70.3 Weltmeisterschaft in Clearwater, Florida statt. Den Slot hatte ich schon Anfang Juni in der Tasche und so konnte ich mich fünf Monate lang intensiv auf diesen Tag vorbereiten. Das Training verlief verletzungsfrei und meine Form wurde kontinuierlich besser. Die Anreise nach Florida war zwar langwierig, jedoch problemlos. Nach gut 20 Stunden fand ich mich, und zum Glück auch mein Gepäck, in meinem Hotelzimmer wieder. Die letzte Woche vor dem Wettkampf verlief ganz und gar nicht nach Plan. Ich hatte insgesamt vier Platten, die Bremse war verbogen und zum amerikanischen Essen will ich mich nicht äußern. Bis auf das Essen konnte ich alle Probleme beseitigen und meinem Körper noch ein paar ruhigere Tage gönnen. Da ich alleine unterwegs war, konnte ich mich vor allem mental gut auf einen harten Wettkampf und starke Konkurrenz vorbereiten. Der letzte Tag verging wie üblich sehr schnell. Ein letztes Schwimmtraining im Meer, alle Gänge ausprobieren, nervös das Rad einchecken, andere Teilnehmer und deren Equipment mustern, ein paar kurze Laufintervalle und dann früh ins Bett. Mein Handy weckte mich liebevoll um drei Uhr morgens mit den Klängen von ACDC. „TNT....I´M DYNAMITE...." Ich war auf Anhieb hellwach und hochmotiviert. Mit ein bisschen Mobilisation und lockerem Einlaufen brachte ich meinen Körper auf Betriebstemperatur. Um halb Acht kam ich als Einer der Letzten vom Einschwimmen zurück, fand jedoch eine sehr gute Startposition. Der Start war sehr brutal. Ich bekam einige Fäuste und Ellbogen ab und fand leider keinen optimalen Rhythmus. Zudem mussten wir uns durch die vor uns gestarteten Age Groups kämpfen. Nach 27 Minuten kam ich recht benommen aus dem Wasser. Mein Auftakt war nicht überragend, aber die Zeit dennoch solide. Nach einem durchschnittlichen Wechsel stieg ich auf mein Rad und begann von Anfang an richtig Druck zu machen. Die Radstrecke hat keine erwähnenswerte Steigung und ist sehr schnell. Die schmale Strecke und die Menge an Age Groupern vor mir zwangen mich die ersten 30 Minuten durchgehend auf der Überholspur zu fahren. Das ist zwar sehr motivierend, kostet aber auch eine Menge Kraft. Danach wurde die Straße breiter und die Lage beruhigte sich. Meine Beine fühlten sich gut an und so behielt ich mein hohes Tempo bei und sammelte Athlet um Athlet ein. Auch den Späteren Age Group Sieger Conrad Fabian konnte ich überholen. Zu meinem großen Ärgernis zog der jedoch ein paar Minuten später in einem 20 Mann starken Pulk an mir vorbei. Mein Ziel war nicht nur eine schnelle Zeit, sondern auch einen fairen Wettkampf zu machen, also ließ ich die Gruppe ziehen und kämpfte weiter. Ungefähr 18 Kilometer vor dem zweiten Wechsel holte mich wieder eine große Gruppe ein. In dieser Gruppe waren auch vier Sportler aus meiner Age Group. Ich konnte es wirklich kaum glauben. Die Hälfte der Gruppe fuhr nicht einmal in Aeroposition- von sieben Meter Abstand zum Vordermann war keine Rede. Ich ärgerte mich maßlos und ohne zu überlegen attackierte ich die ganze Gruppe bei der nächsten Labestation. Ich machte mich klein um so gut als möglich gegen den Wind anzukommen und verdrängte die Schmerzen, weil ich auf keinen Fall wieder eingeholt und belächelt werden wollte. Zu meiner eigenen Überraschung kam ich tatsächlich vor dieser Gruppe in die Wechselzone. Zwei Stunden und elf Minuten dauerte mein Radsplit. Das entspricht einem Schnitt von über 41km/h. Kappe auf und schnell in die Laufschuhe. Ich hatte sehr schwere Beine zu Beginn des Laufs. Nach einem Kilometer ließ mich Hans Daugaard Nilsson, ein starker Däne aus meiner Age Group, regelrecht stehen. Er konnte sich aber nicht mehr als 150 Meter von mir absetzen. Ich merkte, dass meine Beine immer schneller wurden und kämpfte mich wieder an ihn heran. Gemeinsam liefen wir fast 20 Kilometer Schulter an Schulter durch die heißen Straßen Clearwaters. Wir waren schnell unterwegs und überholten unzählige Athleten. Wir motivierten uns gegenseitig und halfen uns bei den Labestationen, ich wollte aber auf keinen Fall Hand in Hand mit ihm über die Ziellinie laufen und so erhöhte ich 800 Meter vor Ende des Rennens noch einmal das Tempo. Ich schaute mehrmals zurück, aber er konnte nicht mitgehen. Im Zielkanal sorgten Hunderte Menschen für unglaubliche Stimmung. Nach vier Stunden vier Minuten und 40 Sekunden und einer sehr guten Laufzeit von einer Stunde 21 Minuten überquerte ich überglücklich die Ziellinie. Ich wurde fünfter in meiner Age Group (53 gemeldete Athleten), 46. Gesamt (1624 Athleten aus 52 Nationen) und drittbester Österreicher (53 Starter). Ich bin mit dieser Leistung unglaublich zufrieden und stolz darauf, als jüngster Athlet weltweit, die Top 75 erreicht zu haben. Jetzt freu ich mich erst einmal auf eine wohlverdiente Offseason, um danach eine noch erfolgreichere Saison 2008 zu planen. Der ganze Trip war eine wunderschöne Erfahrung für mich, die mir niemand mehr nehmen kann. So schmalzig das auch klingt, aber der schönste Moment war trotzdem das Wiedersehen mit Haleh am Flughafen!!
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